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Der SPIEGEL berichtet über unser Speeddating in der Ausgabe 12/2006 (Auszug):
» ... Abzockereien vermeidet, wer beim modernen Dating obskure Internet-Seiten und Partneragenturen links liegen lässt und sich allein auf das verlässt, was er selbst sehen kann.
Für 29 Euro garantiert etwa Johannes Muck, Chef der bundesweit arbeitenden Münchner "Speeddating Event-Agentur", mindestens zehn Fünf-Minuten-Flirts an einem Abend. Wer Glück hat,
bekommt noch mehr für sein Geld, wie kürzlich an einem Sonntagabend in Hamburg: 24 Frauen und 21 Männer drängten sich auf den hellbraunen Couchgarnituren des "Coffee Shops" in der Innenstadt. Muck hatte jedem ein Plastikschildchen mit einer Nummer ans Revers gesteckt, hellblaue für die Männer, rosafarbene für die Frauen. Die Veranstaltung war mit 50 Anmeldungen ausgebucht, doch "ein paar bekommen immer das Muffensausen und bleiben zu Hause", sagt Muck. Dabei darf Angst vor der eigenen Courage nicht haben, wer einen potentiellen Partner in fünf Minuten für sich gewinnen will.
Los ging es mit einem Klingeln. Das leise Gemurmel, das die zweistöckige Kaffeebar bis dahin erfüllt hatte, steigerte sich zum Brodeln. Am Tisch nahe dem Eingang saßen Elke Mählitz und Clemens Wegner,
vor sich jeweils ein Zettel mit einer Nummernliste. Nach fünf Minuten, als Muck wieder läutete, trugen sie dort ein, ob sie sich wiedersehen wollten. Wenn beide Fast-Dater "Ja" ankreuzen, gibt die Agentur am kommenden Tag Telefonnummern und E-Mail-Adressen weiter.
Für Mählitz fing es mit Wegner gut an: "Ein Mann, der tanzen kann, ist selten." Sie kreuzte das erste "Ja" an. Nicht alle hatten so viel Glück. Nach fünf Durchgängen standen etwa bei der weiblichen Nummer zehn schon vier "Nein" auf dem Zettel. Sie war zum zweiten Mal dabei. "Das sind die, bei denen ich auch schon beim letzten Mal ,Nein' angekreuzt habe. Und unter uns: Die werden hier auch keine Frau finden."
Auch bei Mählitz verflog nach ein paar Runden die erste Euphorie: "Wohlstandskind" hat sie neben die Nummer eines Kandidaten notiert, "nimmt alles mit" neben die eines anderen.
Optisch entsprachen die meisten keineswegs dem Klischee chronisch Vereinsamter. Für die Teilnahme hat jeder andere Gründe: Ein Rechtsanwalt behauptete, er wolle "seine Selbstpräsentation" verbessern - das helfe schließlich auch "im Umgang mit den Klienten". Eine Frau hatte eine lange Beziehung hinter sich und inszenierte die Teilnahme als "den ersten bewussten Schritt in einen neuen Lebensabschnitt".
Für Mählitz, 37 Jahre alt und Buchhändlerin, war das Fast-Dating schlichtweg Nothilfe: "Im Buchhandel hast du nur Frauen als Kollegen." Clemens Wegner, 30, schätzt vor allem die Effizienz des Fast-Datings und ist da auch nicht übermäßig wählerisch: Am Ende des Abends hatte er elf "Ja" auf seiner Karte stehen: "Elf Frauen für 29 Euro - das ist doch eine gute Quote."
Die meisten der Teilnehmer glauben, schon nach zwei Minuten zu wissen, wer in Frage kommt und wer nicht. Die Kriterienlisten sind anspruchsvoll, eine Teilnehmerin hat sich ihre sogar ausgedruckt. Gar nicht kommen demnach an: Kinder, Bauch, Bart, geringes Einkommen.
"Zwar fragt niemand direkt, was bei dir auf dem Gehaltsscheck steht. Aber du hast schon das Gefühl, taxiert zu werden", sagt Bauingenieur Wegner. Er selbst sortiert nach Beruf: "Die eine arbeitet mit schwererziehbaren Kindern, die andere ist Diplompsychologin. Muss beides nicht sein, da bekommst du ja Angst."
Wer nicht bequem ins Raster passt, hat es schwer im kühlkalkulierten Ehemarkt. Auch in der Liebe muss immer professioneller performt werden. "Fast alles in unserem Leben ist effizient - warum nicht das Dating für Singles?", heißt es in einer Anzeige der "Speeddating Event-Agentur" ... «
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